Bundesamt für Verfassungsschutz

Abteilung IT
Merianstraße 100
50765 Köln

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe ein großes Problem, Sie sind meine letzte Hoffnung, bitte helfen Sie mir. Wie Sie vielleicht schon gemerkt haben, ist vor einer Woche mein Notebook kaputt gegangen, präziser gesagt hat sich, neben anderen Teilen wie Grafikkarte, Lautsprecher, Akku und Lüfter, meine interne Festplatte nach nunmehr vier Jahren verabschiedet, die Daten auf ihr sind nicht mehr wiederherstellbar. Ich habe es versucht, ich habe sie ausgebaut und an den Rechner eines Freundes angeschlossen – leider ohne Erfolg. Alles ist weg.

Nun mache ich – wie Sie sicher wissen – regelmäßig Backups meiner Dateien, aber wie der Teufel es will, hat die Backupsoftware die Dateien seit über einer Woche nicht mehr gesichert, sondern nur so getan als ob, so dass mir alle Dateien, die ich in den letzten Tagen erstellt oder bekommen habe (vor allem Mails) verloren sind, von vielen Dateien habe ich nur alte Versionen. Kurz: die Arbeit von über einer Woche ist weg und Sie werden sich vorstellen können, was das bedeutet, wie viel man in einer Woche arbeiten kann.

Leider kann ich mir so schnell kein neues Notebook leisten, was Sie verstehen werden, wenn Sie schnell mal einen Blick auf mein Konto werfen, darum habe ich mir erst mal ein altes Gerät von einem Freund ausgeliehen.

Wie dem auch sei, jedenfalls fehlen mir die Dateien der letzten Woche.

Daher meine Bitte: Sie haben doch sicher den Bundestrojaner oder eine andere Spionagesoftware auf meinem alten Rechner installiert gehabt und von meiner Festplatte regelmäßig eine Kopie erstellt. Können Sie mir die irgendwie zukommen lassen? Ich weiß, meine 500GB-Platte war schon sehr voll, ich möchte es Ihnen nicht zumuten, all das auf CDs zu brennen und mir zuzuschicken, das wären über 700 CDs und selbst, wenn Sie DVD-Rohlinge benutzen würden, brauchten Sie noch immer 106 (wenn ich mich jetzt nicht verrechnet habe). Und dass Sie mir eine externe Festplatte zusenden, davon gehe ich auch nicht aus (obwohl ich sie nach Gebrauch selbstverständlich zurückschicken würde). Aber ein Teil meiner alten Festplatte ist ja voll mit Software, und von dem Rest benötige ich auch nur die Dateien von – sagen wir mal sicherheitshalber – zehn Tage ab heute, also ab Datum dieses Briefes (siehe oben rechts). Vielleicht passen diese Dateien dann auf eine oder zwei CDs oder DVDs. Oder Sie laden einfach alles in die Cloud, in irgend einen Internetspeicherdienst, ich selbst benutzte zum Beispiel Dropbox, und dann schicken Sie mir einfach den Link und ich lade mir wieder alles herunter. Ich glaube, das ist die praktischste Lösung.

Ich wäre Ihnen jedenfalls sehr, sehr dankbar. Sollten Sie für derartige Dienste eine Gebühr erheben, schicken Sie mir bitte eine Rechnung.

Falls Sie meine Dateien doch nicht vorrätig haben sollten – oder schon wieder gelöscht (was ich aber beides nicht hoffe) – könnten Sie dann bitte bei ihren Kollegen beim Bundesnachrichtendienst, beim Bundeskriminalamt oder einem anderen Geheimdienst nachfragen, vielleicht auch bei den amerikanischen Kollegen, von deren Prism-Projekt hört man ja Wunderdinge. Vielleicht hat ja jemand von denen wenn nicht alle, aber doch die eine oder andere Datei, jedes Bisschen hilft. Oder Sie teilen mir kurz mit, wer in welchem Amt für mein Problem zuständig ist.

Ich habe noch ein anderes kleines Anliegen. Kurz nach dem Crash meines Rechners habe ich mich mit meiner Freundin am Telefon gestritten. Nun behauptet sie, ich hätte gesagt, sie sei dumm. Dabei stimmt das gar nicht, ich habe nur gesagt, sie solle sich nicht immer so dumm anstellen, was – wie auch Sie zugeben werden – ein himmelweiter Unterschied ist. Aber Sie wissen ja, wie Frauen sind, die hören immer nur, was sie hören wollen. Da Sie die Telefonate ja mithören, wäre ich Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir einen Mitschnitt dieses Telefonats (wir haben von meinem Mobilfon zu ihrem Festnetzanschluss telefoniert, wenn Ihnen das hilft, die Nummern liegen Ihnen sicher vor), mitschicken könnten. Gern auch als mp3-Datei, die sie dem Rest der Dateien beifügen können. Dann kann ich meiner Freundin beweisen, dass ich Recht hatte. Und vielleicht ist Sie dann in Zukunft beim Streiten ein bisschen aufmerksamer, oder bei dem, was ich sage.

Mit freundlichen Grüßen,
undsoweiter

PS: Ich erwähnte ja, dass ich derzeit etwas knapp bei Kasse bin, schauen Sie auf mein Konto, Sie werden weinen. Und neben dem neuen Rechner kommt bald auch wieder die Mietnebenkostenabrechnung auf mich zu und wenn ich an meinen letzten Rechner zurückdenke, der hatte dann Windows7 fertig installiert, da war dann der Treiber meines alten Druckers nicht mehr kompatibel, weil der schon so alt war und ich musste mir einen neuen Drucker kaufen, das muss man sich mal vorstellen, obwohl Drucker und Rechner beide von der selben Firma waren. Jedenfalls – falls Sie mal einen V-Mann in der Berliner Literaturszene benötigen, ich bin hier gut vernetzt, besonders in der Szene der eher jungen, noch nicht sehr bekannten Kolleginnen und Kollegen.

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