In eigener Sache

Nein, ich habe kein Konto in der Schweiz. Seit Jahrzehnten, genauer: seit schon immer. Seit das erste Konto in der Schweiz aus dem Ei geschlüpft ist. Darum hab ich das auch keinem gesagt. Nicht mal meinem Finanzamt. Ich habe mich geschämt. Ich hab auch keine Steuern auf die Zinsen gezahlt, die ich nicht bekommen habe. Dass ich das Konto nie hatte, war ein Fehler. Den bedauere ich von ganzem Herzen. Ich gehöre nicht zu den tausenden, die Schwarzgeld in der Schweiz haben, das bis heute nicht versteuert ist. Auch kein Buntes. Meine Steuern sind gezahlt: die Einkommensteuer, die Mehrwertsteuer, die Versicherungssteuer, die Alkoholsteuer (denn ich trinke ab und zu ganz gern mal einen – aber keine Tabaksteuer! ich rauche ja nur passiv). Also gilt für mich das Recht auf Privatsphäre und das Steuergeheimnis (ach ja, die Geheimnissteuer zahle ich auch, aber das darf keiner wissen, nicht mal mein Finanzamt). Das schützt zehntausende von Deutschen, die, wie ich, unaufgefordert kein Konto in der Schweiz haben. Und es schützt auch die »Dutzenden von Prominenten«, zu denen ich gar nicht gehöre. Über keinen von ihnen ist bisher geschrieben worden, genauso wie über mich – auch nicht. Obwohl ich einen »spektakuläre Namen« habe! Mit Akzent über dem E und einem Bindestrich?

Ja, ich habe einen Fehler gemacht, ich war nachlässig. Aber ich habe den Fehler wieder gutgemacht. Nun ist es ein gut gemachter Fehler. Mit welchem Recht also jetzt diese Denunzierung? Welche Denunzierung? Und wieso rege ich mich so auf?

In meinem Fall wurde keine Information von keinem Informanten aus der Schweiz in keine Redaktion gesteckt. Es hat niemand gebracht. Nicht einmal Springers fünfte Kolonne: der Spiegel. Nicht einmal, dass eine Freundin von mir dort arbeitet, hat war genützt. Er pfeift darauf, der Spiegel. Warum heißt er eigentlich nicht Der Pfeife? Darum werde ich jetzt selber etwas dazu sagen.

Ich frage mich, ob es ein Zufall ist: Wenn man die Anfangsbuchstaben meines Vornamens M und A schnell hintereinander ausspricht, dann hört man EMMA. Das kann kein Zufall sein. Jetzt ist in Sachen Persönlichkeitsschutz die tiefe Latte noch niedriger gehängt. Ich weiß nicht einmal, was ich damit meine! Egal! Persönlichkeitsverletzung? Ja, meine Persönlichkeit ist verletzt, ich hätte gern ein Konto in der Schweiz, wie es jedem ehrlichen Deutschen zusteht!

Aber ich hatte Gründe: Ich habe kein Geld! Ich bin arm! Ich habe noch nie soviel Geld verdient, dass ich mir allein eine Reise in die Schweiz leisten konnte. Ich hätte das Geld per Post schicken müssen, um dort ein Konto zu eröffnen. Es gab einmal eine Zeit, als ich ernsthaft dachte: Vielleicht kann ich mal ins Ausland gehen. Was erleben. Oder Urlaub. So denke ich schon länger nicht mehr. Ich kann nur Schulenglisch, was soll ich da im Ausland? Da versteht mich ja keiner, nicht mal in der Schweiz. Also verreise ich nur noch innerhalb Deutschlands. Seitdem haben sich keine Zinsen vervielfacht. Nicht mal vereinfacht. Es war einfach nichts da. Zu meiner Beruhigung.

Selbstverständlich hätte ich das beim deutschen Finanzamt angeben müssen. Doch ganz ehrlich: Auch mein persönliches Bewusstsein hat sich erst in den letzten Jahren geschärft. Wie mein persönliches Küchenmesser. Es gibt Fehler, die kann man nicht wieder gutmachen. Zum Beispiel für die BILD arbeiten. Oder Rufmord. Oder beides. Einen Fehler aber, wie ich einen gemacht habe, kann man wieder gutmachen. Ich werde einfach fleißiger arbeiten und so viel Geld verdienen, dass ich jeden Morgen vor Freude kotzen muss. Dann schicke ich die Hälfte davon in die Schweiz und zahl Steuern für Deutschland! Und das sieht auch das Gesetz ausdrücklich so vor. Bis dahin nehme ich gern Parteispenden entgegen.

MA Werner

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