Liebe Femen und … Feminnen … äh, Femeninnen,

ich bin ein langjähriges Anhänger und Bewunderer Eurer Arbeit. Ein so langjähriges Anhänger und Bewunderer Eurer Arbeit bin ich nun schon, dass ich mit dem Gedanken spiele, all die Spenden, die ich bisher für gestrandete Wale, tapsige Eisbären oder geprelle Giraffen ausgegeben habe, Eurer Organisation zukommen zu lassen. Aber ich möchte nicht nur mit Geld mein Gewissen erleichtern.

Nein, ich möchte direkt bei Euch mitarbeiten, vielleicht erst mal als Praktikant oder Volontär oder Ein-Euro-Jobber. Ich bin Hartz-Vier-Aufstocker und könnte mit meinen Spenden sozusagen meinen Arbeitsplatz selbst finanzieren. Sagt jedenfalls mein Fallmanager. Ich kann auch die allgemein gebräuchlichen Computerprogramme bedienen, Textverarbeitung Word und Open Office, Excel, Firefox, und natürlich ein bisschen Photoshop. Ich kann mich also auf jeden Fall schon mal in Eurem Büro nützlich machen.

Denn so gern ich dazu auf der Stelle und ohne weiteres dazu bereit wäre, so nehme ich einmal an, dass Ihr mich nicht gleich beim nächsten Protest halbnackt vor irgendeine Botschaft oder in ein Gotteshaus antanzen lasst. Das verstehe ich. Und mit einem kritischen Blick in den Spiegel muss ich zugeben, dass ich im Moment auch nicht so vorzeigbar bin, um gleich – an vorderster Front sozusagen – mitzumarschieren, sondern würde mich lieber erst einmal ein wenig hinter den Kulissen nützlich machen, Kaffee kochen, vielleicht ein bisschen Catering, kleine Snacks, oder trockene, angewärmte Handtücher, Decken oder Wechselwäsche bereit halten und so. Um halbnackt vor Publikum zu treten, da müsste ich erst einmal ein paar Wochen ins Fitnesstudio gehen, um halbwegs – naja, ihr wisst schon. Die Leute sollen ja bei unseren Protesten nicht wegschauen, es wird schon genug weggeschaut auf der Welt. Meine Brüste entwickeln sich derzeit in eine eher unschöne Richtung, und wenn ich da nicht bald was gegen tu, wird der Alters-BH wohl unabwendbar. Aber sehen wir es einmal positiv, wir können hinter dem Bewerbungskriterium Brüste schon mal ein Häkchen machen.

Aber das ist sicherlich zu kurz gedacht. Uns Femen – ich zähle mich jetzt einfach mal gleich mit dazu, da ich ein langjähriges Anhänger und Bewunderer bin und voll hinter Eurem Anliegen und Eurer Arbeit stehe – kommt es ja nicht darauf an, unsere Brüste in die nächstbeste Kamera zu halten. Das macht ja schon Heidi Klum mit ihren Models. Nein, wir Femen zeigen ja unsere Brüste, eben genau deshalb, um nicht mehr unsere Brüste zeigen zu müssen, damit es eines Tages gleich ist, ob jemand Brüste hat oder nicht. Damit es eines Tages niemanden mehr interessiert, wenn eine Frau oder ein Mann ihre oder seine Brüste nackt in die nächstbeste Kamera hält. Damit Männer und Frauen wie ich eines Tages ohne Alters-BH herumlaufen können, ohne dafür schräg angeschaut zu werden.

Deshalb möchte ich bei Euch einbringen. An Sitzungen teilnehmen, Projekte auf die Beine stellen, Proteste planen.

Denn seien wir mal ehrlich.

Diese Sache neulich, wo ihr General Harris feiert, einen Mann, der im Zweiten Weltkrieg mit Phallussymbolen Dresden kaputt gemacht hat, zum Beispiel die Frauenkirche, die war doch daneben. Die Sache, nicht die Kirche. Fast so daneben wie, dass Ludwig Güttler mit seiner Trompete dafür blasen gehen musste, um Geld zu sammeln, um die Kirche wieder aufzubauen.

Und dann diese Aktion neulich in Köln, die bewegte sich inhaltlich ja schon ein bisschen auf der Grenze zwischen bieder und unoriginell. Ich meine damit nicht, dass wir Femen unseren Markenkern – halbnackt mit beschrifteten Brüsten irgendwo wie die Kanickel aus dem Hut auftauchen – nicht beibehalten sollen, nein, das ist unser Alleinstellungmerkmal, keine andere Frauenbewegung macht derzeit etwas ähnliches.

Aber wenn auf Opas achtzigsten Geburtstag eine junge, hübsche Frau nackt aus der sprichwörtlichen Torte springt – das ist doch nicht neu, das hat doch schon Marilyn Monroe gemacht. Und besser. Und dabei gesungen. Und besser. Das ist kein Protest, das ist Teil des Geburtstagsgeschenks. Und sich dann auch noch »I am God« auf den Oberkörper zu schreiben, also bitte. Wahrscheinlich kann Kardinal Meisner gar kein Englisch, das hätte auf Deutsch da stehen müssen, wir sind immerhin in Deutschland. Oder auf Lateinisch: Ego Deus oder so. Ich kann ja auch kein Latein, aber das sind die Kleinigkeiten, die Details, auf die es letztlich ankommt, die kann ich für euch googlen, wenn ich bei Euch mitmache.

Da hätte auch gar nichts drauf stehen müssen, auf den Brüsten. Kardinal Meisner hat die Botschaft auch so verstanden, immerhin hat er ziemlich ergriffen »Ogottogott« geflüstert, wie einige Umstehenden bezeugen würden (wenn sie sich nur trauten), wie ich aus sicherer Quelle weiß. Der alte Mann hat doch in seinem Leben noch keine nackten Brüste gesehen. Er hat nur mutmaßlich davon gehört, dass es welche geben soll. Brüste sind für ihn quasi wie Gott, den hat Kardinal Meisner ja auch nie gesehen.

Nein, der alte Mann hat sich gefreut. Der hat sich nur aufgeregt, weil Ihr das so öffentlich gemacht habt und nicht nachmittags bei Kaffee und Kuchen bei ihm zu Hause. Da hätte er auch mal dranpacken können. Aber so musste er sich die trockenpflaumige Kardinalsmiene aufsetzen und heiser »Blas…phemie« in die bereitstehenden Pressemikros krächzen.

Und habt Ihr eigentlich an die ganzen Ministranten gedacht? So kriegen wir den minderjährigen Nachwuchs jedenfalls nicht von der Katholischen Kirche weg, wenn die Jungs jetzt bei jedem größeren Gottesdienst oder bei der nächsten Jubiläumsfeieres ihres Pfarrers hoffen, dass da nackte Frauen auftauchen. Wisst ihr eigentlich, wie viele Jungs sich seit Dezember 2013 allein in Köln freiwillig in ihren Gemeinden gemeldet haben, um Ministrant zu werden? Und nur ein Drittel davon ist überhaupt katholisch.

Ich hoffe, diese kleinen Beispiele überzeugen Euch, dass meine Mitarbeit und meine, nu ja, etwas männlichere Sicht auf die Dinge, bei Euch mehr als von Nutzen sein kann.

Beiliegend übersende ich Euch meinen ausführlichen Lebenslauf mit Foto, sowie ein paar Empfehlungsschreiben einiger Exfreundinnen, die nur gutes über mich zu berichten haben.

Mit freundlichen Grüßen

u.s.w.

PS: Bitte lasst nicht Alice Schwarzer bei Euch mitmachen.

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