Skandal

Was bisher geschah: Der große Verlag Droemer Knaur verklagt den kleinen Verlag Voland&Quist vor Gericht und gewinnt. Denn dieser hat den satirischen Erzählband »Die Wanderwege der Wanderhure« von Julius Fischer veröffentlicht. Da bei Droemer Knaur die ganze »Wanderhure«-Romanreihe erscheint, fürchtet Droemer Knaur, dass Voland&Quist die Leser verwirrt und aus dem erfolgreichen Begriff »Wanderhure« Kapital schlägt.

Das LG Düsseldorf gab ihm nun recht. Voland&Quist darf die restlichen Bücher nur noch bis September verkaufen und dann ist Schluss.

Das ist ein Skandal!

Ein viel größerer Skandal ist allerdings ein anderer. Vor zwei Jahren erschien mein satirischer Beziehungsroman »Ansichten eines Klaus« beim Aufbau-Verlag. Seitdem werden mein Verlag und auch ich von niemandem verklagt. Weder von Bölls Erben (die Nachfahren des Schriftstellers, nicht die gleichnamige Postpunkband), noch die Heinrich-Böll-Stiftung (die offenbar nur den Namen cool fand und sonst mit Kultur nichts am Hut zu haben scheint), noch der Deutsche Taschenbuch Verlag, bei dem »Ansichten eines Clowns« immer noch erscheinen, haben vor Gericht gegen die Veröffentlichung oder den Verkauf meines Buches geklagt.

Das ist eine bodenlose Frechheit! So geht man mit einem deutschen Schriftsteller nicht um! Sind meine Leserinnen und Leser etwa klüger als die der »Wanderhuren«-Romane, dass sie sich nicht von der Titelähnlichkeit verwirren lassen? Sieht der Deutsche Taschenbuch Verlag die Verwechslungsgefahr nicht? Will er aus Böll schlichtweg kein Kapital schlagen?

Es scheint so. Ungekaufte Böll-Romane verstopfen die Buchhandlungen. Einzelne Ketten wie Weltbild mussten schon Insolvenz anmelden. Kinder und Jugendliche, die Böll in der Schule lesen mussten, kommen gerade ins Rentenalter (und zwar 67, nicht 63!). Die letzte noch lebende Böll-Verfilmung ist ein Stummfilm von 1848. Und selbst den Namen Böll in die Programme der Verlage zu schreiben, kostet mehr als der Gesamtumsatz der Böll’schen Texte im letzten Jahr war.

Muss ich erst schwerere Geschütze auffahren? Muss ich meine nächsten Romane »Billard um dreiviertel elf«, »Schottisches Tagebuch«, »Gruppenbild mit Dalmatiner« nennen!

Wie gesagt: Ein Skandal! Und sicher nicht der letzte.

Werbeanzeigen

hinterlasse einen kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s