Die wollen uns gar nicht impfen

Heute habe ich mich impfen lassen. Gegen Masern. Hoffe ich mal.
Steht ja überall in den Zeitungen. Lasst euch impfen, steht da. Da hab ich mal in mein Impfpass geschaut (obwohl ich natürlich wusste, dass ich als Kind schon gegen Masern geimpft worden bin) und da stand in krakeliger Kinderarzthandschrift irgendwas mit Masern-Stamm Schwarz.
Ich also heute hin zur Ärztin.
»Guten Tag«, sage ich zur Sprechstundenhilfe und lege ihr meine Krankenversicherungskarte hin, »ich möchte mich gegen Masern impfen lassen.«
»Die ist nicht gültig«, sagt die Sprechstundenhilfe und schiebt mir meine Krankenversicherungskarte wieder zurück. Also gebe ich ihr meine andere Karte (aus irgendeinem Grund hat mir meine Krankenkasse irgendwann mal mehrere zugeschickt). Ich frage nicht nach, wieso die Karte, die bis 2017 gültig ist, abgelaufen ist und die, die bis 2016 gültig ist, noch gilt.
»Jaaaa«, sagt die Sprechstundenhilfe, die Sache sei die. Sie wisse nicht, ob meine Kasse die Impfung bezahlt. Sie würde jetzt ein Rezept für den Impfstoff ausstellen lassen, damit müsse ich zur Apotheke und den Impfstoff kaufen, dann wieder her kommen und mich impfen lassen. Das Impfen kostet aber auch nochmal zehn Euro. Ich solle die Belege aufheben, bei meiner Krankenkasse einreichen und hoffen, dass ich das Geld zurück bekäme. Sagt sie.
Ich bin ja für Verschwörungstheorien nicht besonders anfällig. Ich höre sie mir gern an und lache auch gern. Aber in diesem Moment kommen mich doch leichte Zweifel an. Die (wer immer die auch sind) wollen uns gar nicht impfen. Würden die uns impfen wollen, würden sie sagen: »Oh, hallo, kommen Sie rein, nehmen sie Platz, die nächste freiwerdende Spritze ist für Sie.«
Egal, ich will mich impfen lassen. »Okay«, sage ich also. Die Sprechstundenhilfe nickt und sagt, ich solle mich in den Warteraum 1 setzen. Nach einer halben Stunde werde ich aufgerufen, ich solle mich in Warteraum 2 setzen. Nach zwanzig Minuten bittet mich die Ärztin herein.
Worum es denn gehe, fragt sie
Ich sage, dass ich mich impfen lassen möchte.
Was ich denn von Beruf sei, fragt die Ärztin.
»Schriftsteller«, antworte ich wahrheitsgemäß.
»Aha«, sagt sie und notiert etwas. »Als Schriftsteller haben Sie doch sowieso keinen Kontakt zu Menschen. Wie sollen Sie sich denn anstecken? Oder andere anstecken, sollten Sie krank sein?«
Das sagt sie nicht, aber das klingt alles in ihrem »Aha« mit.
Dann werde ich in den Nebenraum geschickt, dort soll ich mich auf den Stuhl setzen und den Arm frei machen. Die Spritze piekst ein bisschen, dann ist alles vorbei. Ich bin geimpft. Gegen Masern, Mumps und Röteln. Ich musste nicht vorher mit einem Rezept zur Apotheke laufen, ich musste nichts kaufen, die Impfung kostete keine Gebühr, ich werde keine Unkosten bei meiner Krankenkasse eintreiben müssen. Ich bin einfach so geimpft worden.
Oder vielleicht doch nicht?

Werbeanzeigen

hinterlasse einen kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s