Halal(i)!

Sehr geehrte Janet Bressem,

Sie haben vor vier Wochen die Petition »Stoppen Sie den Verkauf von Halal Produkten beim Netto Markendiscount« bei chance.org gestartet, mit der Sie erreichen wollen, dass – wie der Titel schon ahnen lässt – Netto keine Lebensmittel mehr vertreiben sollen, die halal sind.

»Ich finde es nicht in Ordnung«, begründen Sie, »das in einem deutschen Lebensmittelmarkt Fleischprodukte verkauft werden, bei denen die Tiere wegen eines Glaubens auf das schlimmste gequält werden !

Die Tiere werden ohne Betäubung mit einem speziellen Messer mit einem einzigen großen Schnitt quer durch die Halsunterseite, in dessen Folge die großen Blutgefäße sowie Luft- und Speiseröhre durchtrennt werden, getötet. Mit dem Schächten soll das möglichst rückstandslose Ausbluten des Tieres gewährleistet werden.

Ich bin der Meinung das wir hier in einem zivilisierten Land leben in dem man den Verkauf von solchem gequältem Fleisch nicht tolerieren muß.«

Ich sag’s mal so: Doch, muss man. Wissen Sie, wie Tiere im christlich-abendländischen Deutschland behandelt werden? Wissen Sie, unter welchen Bedingungen Kühe und Schweine vom Bauernhof zum Schlachter transportiert werden? Wie Schweine mit dem Bolzenschussgerät getötet und dann geschlachtet werden. Und wenn das Bolzenschussgerät nicht funktioniert, werden Sie halt bei lebendigem Leib geschlachtet. Wissen Sie, wie viele männlichen Hühnerküken täglich lebendig geschreddert werden? Wollen Sie mal sehen? Bei Youtube gibts Filme dazu, zum Beispiel den hier. Können Sie sich vorstellen, dass es den meisten Tieren in Deutschland wahrscheinlich schnurzpiepegal ist, wie sie getötet werden, weil sie froh sind, überhaupt endlich von ihrem elenden Leben befreit zu werden?

Vielleicht meinen Sie ja auch nur folgendes, können es nur nicht so richtig ausdrücken: »Ich möchte nicht, dass Tiere gequält werden – zum Beispiel, indem man ihnen bei lebendigen Leib die Kehle durchschneidet.«

Das empfinden Sie als barbarisch. Verstehe ich. Und ich muss Ihnen ehrlicherweise sagen: Das finde ich auch. Ich bin Vegetarier. Ich mag überhaupt nicht, dass man Tiere schlachtet, um sie zu essen. Aber – die Schächtung (so nennt man diese Art der Schlachtung) ist nun mal eine religiöse Tradition. Und religiöse Traditionen sind nun mal barbarisch, wie Religion überhaupt eine sehr hochkultivierte Form der Barbarei sind. Allerdings wird auch kein gläubiger Mensch gezwungen, totes Tier zu essen. Die halalen Vorschriften besagen nur, wie man Tiere zu töten und zuzubereiten hat, wenn man sie essen will. Man muss aber keine Tiere essen, um gläubig zu sein. Und sein Sie froh: Sie als mutmaßliche Christin haben gut lachen, dass Sie nicht wirklich der Leib Christi zum Abendmahl serviert bekommen, sondern nur eine trockene Oblate und ein Schluck billigen Wein dazu. Corpus Christi wäre ja nach zweitausend Jahren auch schon ratzeputz aufgegessen, wenn die ganze Christenheit an ihm herumknabberte, außerdem wäre der sicher nicht mehr so lecker wie am Gründonnerstag anno 34, als er noch frisch war.

Wissen Sie eigentlich, wie Tiere geschlachtet werden, um koscher zu sein? Denen wird bei lebendigem Leib die Kehle durchgeschnitten, genau wie bei den halal geschlachteten. Die koschere Schächtung ist noch viel strenger als die islamische Schächtung, so streng, dass Muslime zwar koscheres Fleisch essen dürfen, Juden aber nicht unbedingt halal geschlachtetes. Würden Sie gegen die koschere Schächtung auch eine Petition starten? Oder finden Sie das zu antisemitisch?

Wussten Sie eigentlich, dass Haribo halale und koschere Gummibärchen herstellt? Wussten Sie, dass auch andere Lebensmittel halal sind, die nichts mit toten Tieren zu tun haben? Säfte, Nudeln, Kichererbsen, Schokolade. Das alles soll Netto nicht mehr verkaufen? Wollen Sie das wirklich? Oder mögen Sie einfach keine Muslime? Sind Sie Anhängerin der AfD? Oder Marketingchefin von Aldi? Oder nur so scheiße drauf?

Machen sie doch eine andere Petition. Ich hab da mal ein paar Vorschläge:

Verbot von Stäbchen in asiatischen Restaurant (Verletzungsgefahr).

Verbot von Messer und Gabel in deutschen Kantinen – nur noch Suppe essen.

Verbot vom Verkauf von Kakteen in deutschen Blumenläden (kann pieken). Verbot von Zombiefilmen und -serien an Ostern im Fernsehen (Jesus war kein Untoter!).

Und wussten Sie, liebe Frau Bressem, dass das Jagdsignal Halali! vom französischen hal à luy – hal à luy kommt, auf deutsch: Hetz auf ihn – hetz ihm nach!

Na dann, Frau Bressem, schönes Hetzen noch.

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